Lehramt an Berufskollegs

Hier finden Sie Informationen zur Schulform, zu den Aufgaben als Lehrerin und Lehrer, zur Schülerklientel sowie zu den verschiedenen Ausbildungswegen im Studium und im Vorbereitungsdienst.

Schulform Berufskolleg (Bk)

Als Berufskollegs werden in Nordrhein-Westfalen die beruflichen Schulen bezeichnet. Berufskollegs sind Schulen der Sekundarstufe II wie auch die gymnasiale Oberstufe eines Gymnasiums oder einer Gesamtschule. Viele Außenstehende verbinden mit dem Berufskolleg lediglich die Berufsschule für Schülerinnen und Schüler, die in einem Ausbildungsberuf in sogenannten „Fachklassen des dualen Systems“ unterrichtet werden. Im dualen System werden sie neben der Berufsschule noch an einem weiteren Lernort, nämlich dem Ausbildungsbetrieb, ausgebildet. Diese Schülerinnen und Schüler stellen etwa die Hälfte der Schülerschaft an einem Berufskolleg dar.

Das pädagogische Leitziel der Schulform Berufskolleg besteht in der Vermittlung einer umfassenden beruflichen, gesellschaftlichen und personalen Handlungskompetenz und der Vorbereitung auf lebensbegleitendes Lernen.

In verschiedenen und stets auf die berufliche Praxis bezogenen Bildungsgängen werden berufliche Qualifikationen (berufliche Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten, berufliche Weiterbildung und Berufsabschlüsse)  vermittelt. Ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal der Berufskollegs in Nordrhein-Westfalen ist daher die grundsätzliche Möglichkeit der Schülerinnen und Schüler, alle allgemeinbildenden Abschlüsse vom Hauptschulabschluss bis zur allgemeinen Hochschulreife (Abitur) zu erwerben bzw. nachzuholen. In sogenannten „doppelqualifizierenden Bildungsgängen“ kann zudem ein schulischer Abschluss (z. B. die Fachhochschulreife bzw. die allgemeine Hochschulreife/Abitur) in Verbindung mit einem Berufsabschluss nach Landesrecht (z. B. staatlich geprüfte kaufmännische Assistentin/AHR, staatlich geprüfter kaufmännischer Assistent/AHR) erworben werden. Die hohe Durchlässigkeit des  Berufskollegs mit seiner Vielzahl an Bildungsgängen ermöglicht den stufenweisen Erwerb höherer allgemeinbildender sowie beruflicher Abschlüsse.  Gut ausgestattete Schulen mit Computerräumen, Labors, Werkstätten und Selbstlernzentren ermöglichen eine interessante und qualifizierte Vermittlung der jeweiligen beruflichen Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten.

Lehren und Lernen an Berufskollegs

Ausgehend vom pädagogischen Leitziel des Berufskollegs sind Lehrerinnen und Lehrer nicht nur Fachleute, die Sachinhalte an der beruflichen Praxis orientiert vermitteln, sondern Initiatoren nachhaltiger Lernprozesse. In Lehrerteams werden gemeinsam Unterrichtskonzepte entwickelt und umgesetzt. Dabei arbeiten häufig Fachkräfte unterschiedlicher Richtungen wie Sozialpädagogik, Elektrotechnik, Maschinenbau und Wirtschaft, Deutsch/Kommunikation und Politik/Gesellschaftslehre zusammen. Außer mit Eltern kooperieren Lehrerinnen und Lehrer am Berufskolleg mit weiteren außerschulischen Partnern wie zum Beispiel den regionalen Arbeitgebern, die ihre Auszubildenden an das Berufskolleg schicken oder sich um zukünftige Fachkräfte aus dem Berufskolleg bemühen. Somit leisten Lehrkräfte an einem Berufskolleg auch einen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung der jeweiligen Region.

Lehrkräfte am Berufskolleg haben es sowohl mit jüngeren Altersgruppen z. B. in den Bildungsgängen des dualen Systems (Berufsschule) als auch mit älteren Personengruppen zu tun, die bereits über eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen und sich mit  Blick auf eine staatliche Prüfung (z.B. staatlich geprüfte Betriebswirtin/staatlich geprüfter Betriebswirt) weiterqualifizieren wollen. Ebenso unterrichten Lehrerinnen und Lehrer an Berufskollegs Schülerinnen und Schülern mit unterschiedlich ausgeprägtem Leistungsvermögen. So ist es durchaus möglich, dass Sie an einem Schultag Schülerinnen und Schüler unterrichten, die die allgemeine Hochschulreife (Abitur) anstreben und am selben Tag in Lerngruppen eingesetzt werden, die auf die grundsätzliche Befähigung hinarbeiten, sich auf dem Ausbildungsmarkt erfolgreich um eine Ausbildungsstelle zu bemühen. Diese Bandbreite von Alter und Leistungsvermögen der Lerngruppen stellt einen besonderen Reiz und gleichzeitig eine besondere Herausforderung für Lehrkräfte an Berufskollegs dar. Im Vergleich zu anderen Schulformen arbeiten die Lehrerinnen und Lehrer an Berufskollegs somit in einem äußerst abwechslungsreichen Tätigkeitsfeld.

Im Zuge des Inklusionsprozesses an den Schulen sind grundsätzlich auch Lehrkräfte für sonderpädagogische Förderung an allgemeinen Schulen aller Schulformen sowie an Förderschulen in allen sonderpädagogischen Förderschwerpunkten tätig.

In keiner anderen Schulform ist die Schülerschaft derart „bunt“ gemischt, wie das in Berufskollegs der Fall ist. Das Berufskolleg vereint Menschen verschiedener Kulturen, Nationalitäten und Bildungsbiographien. Das breite Spektrum an Bildungsangeboten bietet Raum für Schülerinnen und Schüler aus unterschiedlichen Altersgruppen und mit unterschiedlichen  Lernvoraussetzungen. Mittlerweile besuchen etwa zwei Drittel aller Schülerinnen und Schüler in Nordrhein-Westfalen im Verlauf ihrer Schulzeit ein Berufskolleg.

Lehramt an Berufskollegs Ablauf des Studiums mit dem Abschluss Master of Education Bk

Um Lehrerin oder Lehrer werden zu können, müssen Sie ein Lehramtsstudium an einer Universität absolvieren. Ein Studium können Sie grundsätzlich nur dann aufnehmen, wenn Sie die allgemeine Hochschulreife, eine fachgebundene Hochschulreife oder eine bestimmte berufliche Vorbildung besitzen.

Über die Möglichkeiten mit der Fachhochschulreife ein Studium für das Lehramt an Berufskollegs aufzunehmen, informieren Sie sich bitte unter dem folgenden Menüpunkt Studium an einer Fachhochschule und an einer Universität.

Das Studium besteht aus zwei Phasen, der Bachelorphase und der Masterphase.

Die Bachelorphase hat den Schwerpunkt in den fachwissenschaftlichen Modulen. Die Ausrichtung auf das Lehramtsstudium wird durch lehramtsspezifische Module (Fachdidaktik, Bildungswissenschaften, Berufspädagogik, Deutsch für Schülerinnen und Schüler mit Zuwanderungsgeschichte) und durch ein Eignungs- und Orientierungspraktikum von mindestens 25 Praktikumstagen während eines Schulhalbjahres erreicht. In einem weiterem Praxiselement, dem Berufsfeldpraktikum eruieren Sie hingegen in der Regel Perspektiven außerhalb der Schule. Sie erwerben somit in der Bachelorphase schon einschlägige praktische Erfahrung aus der Perspektive einer Lehrkraft.

Nach 6 Semestern wird die Bachelorphase mit einer Bachelorarbeit abgeschlossen.

Nach dem Bachelorabschluss folgt für Sie die Masterphase. Das Masterstudium ist ausschließlich auf den Lehrerberuf ausgerichtet. Um die Theorie stärker mit der Praxis zu verbinden, wird während der Masterphase ein mindestens fünfmonatiges Praxissemester an einem Berufskolleg absolviert.

Die Masterphase werden Sie - in der Regel nach vier Semestern - mit einer Masterarbeit beenden und das Studium mit dem Abschluss „Master of Education“ abschließen.

Die Eingangsvoraussetzungen für den Vorbereitungsdienst für das Lehramt an Berufskollegs bestehen aus dem Abschluss „Master of Education“ und einer Fachpraktischen Tätigkeit mit einer Dauer von 12 Monaten. Der überwiegende Teil der fachpraktischen Tätigkeit soll vor Abschluss des Studiums geleistet werden. Die fachpraktische Tätigkeit kann auch im Rahmen besonderer Praktika der Hochschulen erbracht werden. Sofern Sie eine einschlägige Berufsausbildung oder eine einschlägige berufliche oder sonstige Tätigkeit nachweisen, können diese als fachpraktische Tätigkeit berücksichtigt werden.

Die Graphik im Downloadbereich veranschaulicht Ihnen Ablauf, Struktur und Bestandteile des Studiums für das Lehramt an Berufskollegs (Bk).

Lehramt an Berufskollegs Fächerkombinationen und (Fach-)Hochschulstandorte in NRW

Die folgenden Beispiele sollen Ihnen deutlich machen, welche Fachrichtungen und Fächer Sie grundsätzlich miteinander kombinieren können.

Zwei berufliche Fachrichtungen:

  • Beispiel: Maschinenbautechnik und Elektrotechnik

Eine große berufliche Fachrichtung mit einer kleinen beruflichen Fachrichtung:

  • Beispiel: Maschinenbautechnik und Fertigungstechnik

Berufliche Fachrichtung und Unterrichtsfach:

  • Beispiel: Maschinenbautechnik und Englisch

Zwei Unterrichtsfächer:

  • Beispiel: Mathematik und Physik

Berufliche Fachrichtung und Sonderpädagogische Fachrichtung:

  • Beispiel: Maschinenbautechnik und emotionale und soziale Entwicklung

Unterrichtsfach und Sonderpädagogische Fachrichtung:

  • Beispiel: Deutsch und Förderschwerpunkt Lernen

Für Lehrerinnen und Lehrer, die an einem Berufskolleg unterrichten, gibt es eine Vielzahl an Fachrichtungen und Fächern, die man studieren und nachfolgend an Berufskollegs unterrichten kann. Das breite Angebot erlaubt Ihnen somit, Ihre Fachrichtungen und Fächer gemäß Ihren individuellen Neigungen und Interessen zu wählen.

Im Downloadbereich finden Sie eine Auflistung der neun Universitäten, an denen Sie für das Lehramt an Berufskollegs studieren können, mit einer Zuordnung der Fachrichtungen und Fächer, die von den jeweiligen Universitäten angeboten werden. Dort finden Sie auch eine Übersicht, an welchen Standorten Kooperationen von Universitäten und Fachhochschulen bestehen und welche Fachrichtungen bzw. Fächer jeweils studiert werden können.

Lehramt an Berufskollegs Besondere Ausbildungswege zum Master of Education Bk

In Nordrhein-Westfalen führen fünf Hochschulverbünde aus Universitäten und Fachhochschulen Lehramtsstudiengänge für das Lehramt an Berufskollegs in gewerblich-technischen Fächern in Kooperation durch. Die Lehramtsstudiengänge werden im Rahmen dieser Kooperationen in zwei unterschiedlichen Modellen durchgeführt.

Modell A
Im Modell A wird das Bachelor- und das Master-Studium mit dem Unterrichtsfach (einschließlich Fachdidaktik, Bildungswissenschaften / Berufspädagogik) an der Universität Münster und die berufliche Fachrichtung (einschließlich Fachdidaktik) an der Fachhochschule Münster angeboten. Das Studium wird parallel an der Universität Münster und an der Fachhochschule Münster durchgeführt und abgeschlossen. Da die Einschreibung an der Fachhochschule und an der Universität zusammen erfolgt, ist die allgemeine Hochschulreife Zugangsvoraussetzung.

Modell B
Nach dem Modell B wird das Bachelor-Studium mit zwei beruflichen Fachrichtungen an einer Fachhochschule und das Master-Studium mit dem integrierten Praxissemester an der Universität durchgeführt.

Die Zugangsvoraussetzungen, die ggf. auch unterhalb der allgemeinen Hochschulreife liegen können, regeln die jeweiligen Hochschulen. Die Studiengänge nach dem Modell B werden von folgenden Hochschulverbünden angeboten:

RWTH Aachen mit Fachhochschulen:
  • Aachen
  • Köln
  • Niederrhein
UNI Paderborn mit Fachhochschulen:
  • Ostwestfalen-Lippe
  • Bielefeld
  • Hamm-Lippstadt
  • Südwestfalen
UNI Siegen mit Fachhochschulen:
  • Südwestfalen
  • Bonn-Rhein-Sieg
  • Dortmund
UNI Wuppertal mit Fachhochschulen:
  • Bochum
  • Gelsenkirchen
  • Südwestfalen

Lehramt an Berufskollegs Praxisintegrierende duale Studiengänge

Berufsbegleitende duale Masterstudiengänge

Sofern Sie Absolventin oder Absolvent einer Fachhochschule in einem Bereich sind, welcher der

Elektrotechnik, Energietechnik, Nachrichtentechnik, Maschinenbautechnik, Fertigungstechnik, Fahrzeugtechnik, Konstruktionstechnik, Verfahrenstechnik, Versorgungstechnik, Chemietechnik, Automatisierungstechnik oder Informationstechnik

zuzuordnen ist, können Sie bei Vorliegen einer Einstellung an einem Berufskolleg über den Seiteneinstieg ein berufsbegleitendes lehramtsbezogenes Masterstudium für das Lehramt an Berufskollegs durchführen.

Neben der Unterrichtstätigkeit im Umfang von 13 Stunden an drei Tagen pro Woche wird das Studium an der Universität an zwei Tagen pro Woche durchgeführt. Der Masterstudiengang soll innerhalb von sechs Semestern absolviert werden und schließt mit dem Master of Education ab.

Nach Abschluss des dualen Masterstudienganges erfolgt der berufsbegleitende Vorbereitungsdienst nach OBAS mit einer Dauer von 18 Monaten.

Folgende Universitäten bieten praxisintegrierende duale Masterstudiengänge (Modell "C") an:

Berufsbildungsmaster 

Studieninteressierte, die über einen fachwissenschaftlichen Bachelorabschluss im Bereich der Elektrotechnik oder Maschinenbautechnik verfügen, können an der TU Dortmund den Master of Education für das Lehramt an Berufskollegs erwerben. 

Weitere Informationen zum Berufsbildungsmaster finden Sie hier.

Kontakte zu den lehrerbildenden Hochschulen in NRW

Im Downloadbereich finden Sie die Kontaktdaten der ZFL für die Universitätsstandorte sowie die Kontaktdaten der ZfL für die Fachhochschulstandorte. Diese können Ihnen dabei helfen, konkrete Informationen zu den Voraussetzungen, den besonderen Bedingungen und dem Studienablauf zu erlangen.